Warum es hart ist, vegan zu sein.

Ich ernähre mich seit knapp ein Jahr vegan. Strikt seit Jänner 2019. Davor aß ich alles, wobei in den letzten Jahren nahm ich immer weniger tierische Produkte zu mir und da meine Mutter seit über 15 Jahren vegetarisch lebt, wuchs ich noch in einem vegetarischen Haushalt auf, in dem es sehr wenig Fleisch gab. Fisch hatten wir immer wieder einmal. Aber bereits früh war in unserem Haushalt die gesunde und ausgewogene Ernährung ein wichtiger Bestandteil. Bio-Produkte, wenig Pastik, regional und vor allem nachhaltig und saisonal kaufen. Dies sind Grundsätze, die ich teilweise von meiner Mutter mitbekommen hatte, aber auch nach meinem Unfallweiterverfolgte.

Für gute, nachhaltige und Bio-Produkte gebe ich gerne mehr Geld aus. Und in den letzten Jahren wurden Bio-Produkte eigentlich schon sehr leistbar. Zumindest hier in Österreich. Für ein paar Cent mehr bekommt man meistens nicht nur Bio, sondern auch nachhaltigere Produkte. Leider wird auch viel Bio importiert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wieso ich darauf eingehe? Es hat den Grund, dass ich mir bereits in frühen Jahren ein Bewusstsein schuf, was ich mir zuführe und vor allem was ich nicht in meinen Körper geben möchte. Bis 27 aß ich Fleisch. Zwar nicht mehr in großen Ausmaßen aber es gab Jahre davor, da war Fleisch ein Bestandteil jeder Mahlzeit. Ich gehörte zu jenen Menschen, die glauben Fleisch ist wichtiger Proteinlieferant. Ich gehörte zu den „coolen“ Kids die meinen, dass ein Gericht ohne Fleisch es nicht wert sei und dass ein „echter“ Mann sein Fleisch braucht. Ein Volksglaube, der im Deutschsprachigen Raum noch sehr weit verbreitet ist. Ein Relikt, dass aus einer anderen Zeit kommt. Eine Zeit in der man keine Wahl hatte, was man isst. In den 50er und 60er Jahren hatten die meisten Menschen nichts. Mühsam mussten sie ihre kleinen Betriebe oder Bauernhöfe betreiben und sehen, dass genug Essen auf den Tisch kam. Fleisch war wertvoll und man hatte es nicht jeden Tag. Zudem waren die Tiere nicht zu gepumpt mit Medikamenten, gentechnische veränderten Futtermittel und anderem Zeugs, dass ihr Fleisch unnatürlich waschen lässt. Fleisch war damals pur und kaum vergleichbar mit dem, was viele heute in den Supermärkten kaufen.

Damals war auch die Technologie, die Wissenschaft und die Information noch nicht so weit, dass man hätte sagen können, man kann ohne Fleisch oder tierische Produkte überleben. Die Menschen hatten keine andere Wahl. Entweder sie schlachteten das Rind oder es gab kein Essen für die nächsten Wochen. Der Vergleich zu heute ist erschreckend und grausam. Jährlich werden ca. 150 Milliarden Tiere getötet. Wirtschaft und Profit stehen an erster Stelle. Eingepfercht in den engsten Käfigen oder auf einer Herde am Bio-Hof. Jedes Tier hat nur ein Ziel: als Fleisch im Supermarkt zu landen. Tiere werden 100te Kilometer transportiert, um dann getötet zu werden. Wir wissen bereits, dass Tiere Empathie zeigen können. Wir wissen, dass Tiere Schmerz fühlen und traurig sein können. Wir wissen, dass ein Tier den Unterschied zwischen einer „humanen“ Tötung und traditioneller Schlachtung nicht kennt. Und wir wissen, dass ein Tier nicht sterben möchte, um uns als Futter zu dienen. In der letzten Minute wurden 285360 Tiere getötet. Jede Sekunde sterben 4756 Tiere. Wieso?

Bereits in der Schule beginnen wir zu lernen, dass ein Hund ein Haustier ist und ein Schwein nur ein Schlachttier. Davor kennen wir diesen Unterschied nicht. Bevor wir überhaupt kognitiv so weit sind, den Unterschied erklärt zu bekommen, sind alle Tiere gleich. Nicht nur dass, alle Menschen sind gleich. Wir stufen Menschen als Baby nicht ein. Wir sehen jedes Lebewesen gleich. Doch im Verlauf des jungen Lebens findet sprichwörtlich eine Gehirnwäsche statt und plötzlich kennen wir die Unterschiede. Plötzlich stufen wir Tiere ein und später auch Menschen, nur weil diese anders sind und anders denken oder an andere Dinge glauben. Viele Menschen glauben, über Tiere zu stehen. Wir glauben, Herr der Dinge zu sein und wir haben uns dank unserer kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten dazu entschieden, Tiere zu versklaven und für unseren Genuss und Wohlstand zu töten. Seit 1950 ist der Fleischkonsum angestiegen. Der Konsum hat sich verdoppelt seither. In den Nachkriegsjahren war Fleisch seine seltene Ware, weshalb man in den Jahren 1951/52 fleischfreie Tage einführte. Erst Mitte der 50er Jahre konnte der Konsum von 48 kg pro Kopf wie in den Vorkriegsjahren wieder erreicht werden.

Österreich liegt beim Fleischkonsum auf Platz 3 in der EU und weltweit auf Platz 15. 5,9 Tonnen Fleisch werden von einem durchschnittlichen Österreich in seinem/ihrem Leben gegessen. Ein Zahl, die man sich nicht einmal vorstellen kann. 65 Kg Fleisch isst ein Österreicher jährlich. Das sind fünf Portionen in der Woche, obwohl drei Portionen pro Woche als Maximum empfohlen werden. Doch auf Fleisch einfach so zu verzichten, geht doch nicht. Es ist Teil unserer Gesellschaft, Teil unserer Tradition. Die kann man doch nicht einfach so über Bord werfen. Es war auch einmal Tradition Sklaven zu halten, zu foltern oder zu steinigen. Bullshit!!!! Fleisch zu essen hat nichts mit Tradition oder unserer Herkunft zu tun. Wir sind programmiert Fleisch zu essen. Wir hinterfragen es nicht. Jeder kennt die grausame Wahrheit und jeder weiß, dass der Fleisch-Konsum ein ernsthaftes Problem für den Klimawandel darstellt. Aber sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen, sich Tatsachen zu stellen und sich ernsthaft zu fragen, ob wir hier als Menschheit nicht einen großen Fehler begehen, das ist zu schwer.

Versteht mich nicht falsch, ich verachte niemanden der Fleisch isst. Ich habe den Großteil meines Lebens Fleisch gegessen. Und jeder hat das Recht, für sich zu entscheiden. Ich möchte auch niemanden „bekehren“. ABER jemand der sich täglich dazu entscheidet, den sinnlosen Tier-Holocaust weiter zu unterstützen, sollte zumindest so weit sein, sich den Tatsachen zu stellen. Ich verstehe voll und ganz, dass es normal ist, sich unangenehmen Tatsache entziehen zu wollen. Niemand sieht gerne Leid, Qual und herzzerreißende Bilder. Aber falls du nach wie vor Fleisch ist, nimm dir die zeit und sieh dir folgende Dokumentation an. Es ist Zeit Bewusstsein zu schaffen. Es ist Zeit einen Dialog zu starten und die Versklavung der Tiere für unseren Genuss und Sturheit zur Veränderung zu beenden. Tiere sind nicht hier auf diese Welt, um von uns versklavt, gezüchtet und getötet zu werden. Jedes Tier hat ein Recht auf Freiheit und ein glückliches Leben.

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit meiner Mutter. Als Vegetarierin versteht sie einige Aspekte meiner neuen Lebensweise. Aber während des Gespräches kamen wir auf Milch und Milchprodukte zu sprechen. Sie wusste nicht (obwohl sie als Kind Kühe hatten), dass eine Kuh nicht von Natur aus Milch gibt. Durch Hormone und künstliche Befruchtung werden Kühe gezwungen 350 Tage im Jahr Milch zu geben. Das Kalb wir kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt und die Milch kann fließen. Männliche Jungtiere werden entweder sofort umgebracht oder verkauft und dann getötet. Die weiblichen Kälber werden zu weiteren Milchkühen erzogen. Die Mutter gibt etwa zwei Monate Milch, bis eine erneute Befruchtung stattfindet. Eine Milchkuh wird nach etwa drei Jahren entsorgt, da die ständige Milchproduktion zu Krankheiten und Infektionen führt. Mit entsorgt meine ich natürlich getötet. Eine Kuh hat eine Lebenserwartung von etwa 20 Jahren, wobei es Kühe gibt die weit über 40 Jahre alt geworden sind.

Heute leben wir in einer Zeit, in der wir jede Information direkt in unserer Hosentasche herumtragen. Es gibt Studien, Belege und viele Beweise, dass Fleisch und andere Tierprodukte auf Dauer nicht gesund sind. Wir wissen, dass die Massentierhaltung und der Konsum von tierischen Produkten unseren Planeten zerstört. Die Viehhaltung beansprucht einen enormen Anteil der weltweiten Landfläche. Weideland und für den Futtermittelanbau genutztes Ackerland machen fast 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Demnach wird ein drittel des globalen Ackerlandes nur für den Anbau von Futtermitteln genutzt. Tendenz steigend. Und wieso? Weil wir uns nicht ändern wollen. Man kann ohne Fleisch, Milch und Ei überleben. Nicht nur das. Man lebt durchschnittlich gesünder und wird langsamer älter. Dennoch stopfen wir uns nach wie vor mit ungesunden Lebensmitteln voll, verpesten damit nicht nur die Umwelt sondern töten Massen an Tiere.

Ich habe mich zur rein pflanzlichen Ernährung entschlossen, weil mein Magen/Darm durch viel Stress und Belastung dieses schwere und ungesunde Essen nicht vertragen hat. Zudem liegt mir der Umweltgedanke am Herzen und um ehrlich zu sein: Ich habe Angst um unsere Zukunft und meine zukünftigen Kinder. Ich habe Angst, dass wir uns selbst bereits zu tief in die Scheiße geritten haben und kein Weg zurück führt. Und ich möchte nicht, dass ein weiteres Tier wegen mir leiden muss, getötet wird oder sonst irgendwie grausam behandelt wird. Wir alle sind Teil dieses Systems und wir habe die Macht „Nein“ dazu zu sagen. Es gehört viel Disziplin und Verantwortung dazu. Und es ist nicht leicht, da es sich wie ein unmöglicher Kampf anfühlt.

Wieso es wirklich hart ist vegan zu Leben? Man setzte sich täglich mit der Tatsache auseinander, dass überall Tiere sinnlos getötet werden. Außerdem wegen der Tatsache, dass Menschen „Tierlieb“ sind, einen Hund, Katze oder ein anderes Haustier haben, sich aber dann dazu entscheiden Fleisch zu essen und bezahlen, dass Tiere für sie getötet werden, ist schwer für mich. Viele Menschen sind sich dessen nicht voll bewusst, verdrängen es oder wollen es einfach nicht hören. Nach dem Motto: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Ich als einzelner kann dafür sorgen, dass in meinem Namen keine Tiere mehr sterben. Ich kann dafür sorgen, dass mein ökologischer Fußabdruck durch den Konsum von nicht tierischen Produkten kleiner wird. Jeder von uns hat als Konsument die Macht einen Unterschied zu machen. Einen neuen, gesünderen und nachhaltigeren Weg zu gehen. Früher oder (leider) später wird sich jeder mit dieser Tatsache auseinandersetzen müssen, da wir die Planeten so nicht viel länger ausnützen können. Daher meine Frage: Willst du Teil der Veränderung sein oder bleibst du so lange ignorant, bis es zu spät ist? Wieso isst du wirklich Fleisch und wieso siehst du bei Hunden, Kühe, Schweine und andere Tiere einen Unterschied?

Quellen: